Drag-King-Workshop
“Part of Kinging"
Fotos: Elena Zeitler
Es passiert uns Tag für Tag. Es beginnt mit dem Aufstehen. Der Wecker klingelt. Aus der Traum.
Aus der Traum der Zeitlosigkeit und der unbegrenzten Möglichkeiten. Der Wecker schreit: "Steh' auf und sei "part of the game." - "Moment, lass mich erstmal wach werden. Was heißt denn das?"
Ja, was heißt es "part of the game" zu sein? In der Regel heißt das den Regeln zu folgen. Das bedeutet, neben einer Reihe, durchaus sinnvoller Regeln, auch die Befolgung ziemlich sinnfreier Regeln, wie zum Beispiel der vorgeschriebenen Verhaltensweisen für Frauen und Männer. Das Geschlecht muss auf den ersten Blick erkennbar sein. Ansonsten hat man ein Problem, ist nicht mehr "part of the game". Wenn man als Frau allzu männlich aussieht, wird man auf Damentoiletten angepöbelt, von Peers verächtlich gemustert, beim Sport als aggressiv wahrgenommen und bekommt als Kosmetikerin keinen Job. Sieht man hingegen als Mann allzu weiblich aus, gilt man automatisch als schwul, guter Zuhörer, Schokoladenfreund und Fashion Victim. Das äußere Erscheinungsbild gibt Auskunft über das Geschlecht und die damit verbundenen Eigenschaften - so die Regel. Stimmt etwas nicht überein, befolgt man die Spielregeln nicht, so wird einen das Leben schwer gemacht. Aber was, wenn man nichts von den Spielregeln hält? Nun ja, umgehen kann man sie nicht. Aber man kann dazu beitragen, sie zu verändern, indem man die, zumeist unsichtbaren Spielregeln der Heteronormativität, zunächst einmal sichtbar macht.
Eine wirkungsvolle - und nebenbei auch sehr lustvolle - Methode der Sichtbarmachung und Hinterfragung ist die Parodie. Die weiblichen und männlichen Geschlechterstereotype werden derart übertrieben dargestellt, dass sie ins Lächerliche gezogen werden. Wir alle kennen die imposanten Drag Queens, vor denen wir sogar fast ein bisschen Ehrfurcht haben. Etwas weniger bekannt hingegen sind die Drag Kings. Das Kinging praktizieren zumeist Frauen, welche die männlichen Geschlechterstereotype parodieren. Um auch das Kinging etwas bekannter zu machen - und selbstverständlich um die vielfach erwähnten Spielregeln in Frage zu stellen - wurde vom Referat für Frauen- und Gleichbehandlungsfragen der ÖH ein Drag King Workshop organisiert. Zehn Frauen stopften sich die Unterhosen, trugen statt Push-Up einen Sport-BH, schnitten sich die Haare, um daraus Bärte zu machen, suchten sich ein männliches Outfit und übten sich im breitbeinigen Gehen und Sitzen. Um die Verwandlung zu vollenden, gab sich schließlich jeder Drag King einen selbstgewählten Namen. Dann präsentierten sich die Kings stolz und freudvoll auf dem Laufsteg, welchen sie im Anschluss, muskelprotzend, auch noch selber abbauten. Als Belohnung ging es noch auf ein gemeinsames Bier in den Uni-Wirt. Alles in allem - ein gelungener Männer-Abend...

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